Gedanken im Fluss:
Wie mir der „Expositionsspaziergang“ bei meiner OCD hilft
Wer mit einer Zwangsstörung (OCD) lebt, kennt das Gefühl: Ein unwillkommener Gedanke schießt in den Kopf, und sofort springt der innere Alarm an. Die Angst steigt, und die Suche nach
Logik, Beruhigung oder einer mentalen Zwangshandlung beginnt. Ich habe durch zufall endeckt, das der Spaziergang mir hilft bei der bewegung so eine art konfrontationsübung zu machen.
Mein Erfahrungsbericht:
Ich spazierte einmal auf dem Fahrradweg entlang und versuchte wie immer, die Umgebung wahrzunehmen und meine Gedanken zu beruhigen, was mal besser, mal schlechter geklappt hat. „Da war doch noch was, was ich lösen musste“ oder „Jetzt fällt mir dieser Termin ein, ich muss den aufschreiben, bevor ich den vergesse“.
Nach einer Zeit war der Spaziergang zu Ende. Ich wusste gar nicht mehr, wie die Umgebung aussah, weil ich so sehr in meinen Gedanken war. Am nächsten Tag haben mir manchmal Leute gesagt, dass sie mich gesehen und mich mit den Augen gegrüßt haben – und ich habe es nicht gesehen, wie peinlich …
Eines Tages habe ich mir vorgenommen: Egal was kommt, ich lasse es wie ein Unwetter an mir vorbeiziehen – egal, wie dringend es ist. Kein Kampf dagegen, kein Nachgehen, nur dasein lassen und gehen. Anfangs war mir die Stille unangenehm und ich wollte Beschäftigung im Geiste, habe aber alles so sein gelassen, wie es ist.
Mittlerweile, wenn mal mein Kopf raucht, plane ich mir abends einen Spaziergang ein und lasse alles so, wie es ist. Ich will nichts wegmachen und nichts hinzufügen. Komischerweise verlieren auch die dringendsten Gedanken, wenn man denen keine Beachtung schenkt, ihre Dringlichkeit und ich vergesse sie.
Ich merke mir mein Mantra: „Nichts wegmachen und nichts hinzufügen.“
Warum diese Methode mein OCD beruhigt
Das Faszinierende ist: Wenn man aufhört, gegen die Zwanggedanken zu kämpfen, verlieren sie ihre Macht. Indem ich beim Gehen alles akzeptiere, signalisiere ich meinem Gehirn: „Ich habe zwar Angst, aber ich bin nicht in Gefahr.“
Durch die körperliche Bewegung des Gehens bin ich gleichzeitig geerdet. Die Gedanken kommen, ziehen wie Wolken an mir vorbei und verschwinden oft ganz von alleine wieder. Mein Nervensystem beruhigt sich, und das OCD verliert seinen Schrecken.
Mein Fazit
Der Expositionsspaziergang erfordert am Anfang Mut. Es fühlt sich ungemütlich an, der Angst nicht sofort mit einer Zwangshandlung zu antworten. Aber für mich ist es zu einem mächtigen Werkzeug geworden, um mir Stück für Stück meine Freiheit zurückzuholen. Ich lernte langsam aber sicher diese Ruhe zu genießen und alles so sein zu lassen wie es ist.
„Nichts wegmachen und nichts hinzufügen“
Ein wichtiger Hinweis zu diesem Blog
Alles, was du hier liest, basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Erfahrungen/Recherchen und meinen eigenen Weg. Ich bin kein Arzt, kein Psychologe und kein Therapeut. Mein Blog kann und soll eine professionelle Therapie nicht ersetzen.
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